Arnold Heim

1882–1965
In der Zwischenkriegszeit erreichten Heims Experten- und Reiseaktivitäten ihren vorläufigen Höhepunkt. In diesen Jahren führte er für Shell geologische Untersuchungen in Neukaledonien, Australien, Tasmanien, den Neuhebriden, Tahiti, Amerika und den Niederlanden durch, war für die «Eastern Syndicate» in Ostarabien, Kuwait, Bahrain. Heim begleitete aber auch den Schweizer Flugpionier Walter Mittelholzer auf dessen erster Nord-Süd-Durchquerung Afrikas in einem Wasserflugzeug, durchquerte die Sahara in einem Auto, nahm an einer Expedition ins Hochgebirge an der chinesisch-tibetischen Grenze teil und forschte in den Anden.

Arnold Heims «richtiger Riecher» für iranisches Erdöl

Beim Thema Erdöl denkt man nicht zuerst an die Schweiz. Dabei hatten Schweizer Geologen in den Anfangsjahrzehnten des 20. Jahrhunderts einen erstaunlich grossen Anteil an der weltweiten Erdölexploration. Warum zog es so viele Schweizer «ins Öl»: Erstens waren sie international begehrte Experten – dank ihrer hervorragenden Ausbildung an der ETH und anderen Schweizer Universitäten. Zweitens waren sie wegen ihrer Herkunft aus einem neutralen Land in der postkolonialen Zeit für internationale Auftraggeber attraktiv. Und drittens fanden sie in ihrer Heimat kaum Stellen. Der Weg ins internationale Ölgeschäft war oft ihre einzige berufliche Perspektive. So kam auch Arnold Heim ab 1910 in den Dienst internationaler Erdöl-firmen, für die er in verschiedenen Regionen der Welt und speziell auch im Iran erfolgreich tätig war.

Arnold Heim (1882–1965) wurde am 20. März 1882 als Sohn des bekannten Geologen Albert Heim (1849–1937) und der ersten Schweizer Ärztin, Marie Heim-Vögtlin (1845–1916), in Zürich geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit schlug er wie sein Vater die akademische Laufbahn an der ETH Zürich mit einer Ausbildung zum Geologen ein. Noch während der Ausbildung betrieb er Feldforschung und nahm an Expeditionen teil. Mit seiner Dissertation «Der westliche Teil des Säntisgebirges» bewies Arnold Heim seine wissenschaftliche Potenz: Seine damals modernen stratigrafischen Untersuchungen waren bahnbrechend, schreibt die Heim-Biographin Monika Gisler. Nach der Habilitation im Jahre 1907 arbeitete er als Privatdozent an beiden Zürcher Hochschulen zum Thema Alpengeologie. Doch 1910 entschied er sich für das Leben eines Forschungsreisenden. Von seiner ersten Reise nach Sumatra kehrte er mit vielen Daten zurück, die er in zahlreichen Monographien und Aufsätzen veröffentlichte.

Zwischen 1910 und 1916 reiste Arnold Heim zu Forschungszwecken in alle Welt, wobei er sich im Ersten Weltkrieg mit der Erdölsuche in der Schweiz beschäftigte. Er führte dazu Sondierbohrungen in der Region Genf und dem Kanton Bern durch. Danach suchte er im Auftrag der britischen «Eastern and General Syndicate Ltd.» in Ostarabien, Kuwait und Bahrain nach Erdöl. Das unstete und auch finanziell unsichere Leben bewogen ihn dazu, zum Sommersemester 1924 eine Rückkehr in die Schweiz zu planen, um an der Universität Zürich eine Vorlesung über Petrogeologie zu halten. Aber Mitte Februar 1924 erreichte ihn völlig unerwartet eine Anfrage aus London, eine 5-monatige Forschungsexpedition zur Öl- und Erzsuche im Gebiet des Persischen Golfs zu leiten. 

In den damals noch wenig erforschten Regionen Kuwait, al-Hasa (im heutigen Saudi Arabien) und Bahrain sollte Heim zusammen mit seinem Team von 60 Personen 1924 nach Erdöl und Wasser suchen. Nach zweimonatiger Suche unter widrigen Klimabedingungen und in schlechtem Gesundheitszustand war er für diese Region vom Misserfolg künftiger Ölbohrungen, hingegen vom Erfolg von Wasserbohrungen überzeugt. Weil er eine archäologische Stätte besichtigt hatte, reiste er knapp an jener Stelle vorbei, an der 14 Jahre später der erste grosse Ölfund in Saudi-Arabien gemacht wurde. Nichtsdestotrotz konnten aufgrund seiner Ergebnisse in Bahrain bald erste erfolgreiche Brunnenbohrungen gemacht werden. 

Im Herbst 1949 erhielt Heim einen Anstellungsvertrag als Chefgeologe der staatlichen «Iran Oil Co.». Dazu stellte er ein Team aus sieben Petrogeologen zusammen, allesamt Schweizer. Sie reisten zunächst in die entlegensten Winkel des Landes, konzentrierten sich dann aber auf die Region rund um die Stadt Qum, wo sie grosse Erdölvorkommen vermuteten. Eine dicke Salzformation verhinderte aber jahrelang das Durchbohren der Salzschicht bis zum unmittelbar darunter prognostizierten Öl.

Aus gesundheitlichen Gründen, er war damals immerhin bereits 70-jährig, verliess Heim 1952 den Iran. Somit konnte er den eigentlichen «Blow out» am 26. August 1956 nicht mehr selbst erleben, als das Öl unter unvorstellbarem Druck sämtliche Sicherheitsventile wegschleuderte und in einer gewaltigen Fontäne heraustrat. Heim beschrieb das Ereignis in einem wissenschaftlichen Bericht als eine der grössten Gas- und Erdöleruptionen der Erde: «Noch nach 30 Stunden erreichte der Springbrunnen eine Höhe von über 100 m […] Das Ereignis eröffnet noch unabsehbare wirtschaftliche und politische Konsequenzen.» 

Bücher und weitere Infos

Band 97

«Swiss Gang»

Pioniere der Erdölexploration

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